Friday, February 24, 2012

Android auf dem Desktop

Dieser News-Artikel hat mich neulich nachdenklich gemacht. Speziell die Aussage, dass Google im Zusammenhang mit dem ChromeOS ein "Ass" im Ärmel haben könnte:

"Pallenberg vermutet stark, dass bei Google an einer Browser-Laufzeitumgebung für Android-Applikationen gearbeitet wird. «Das wäre für Android der direkte Sprung auf den Desktop. ChromeOS würde dann ein starkes Momentum aufbauen.»"

Man kann sich jetzt natürlich streiten, ob Pallenberg damit wirklich recht haben könnte. Ich persönlich als Entwickler sehe hier einen anderen interessanten Aspekt im Zusammenhang mit der Idee eine Browser-Laufzeitumgebung für Android-Apps zu haben. Das schafft die Möglichkeit Apps, oder sogar generell Software, zu schreiben, die ohne jeglichen Aufwand auf Smartphones sowie auf Desktop-PCs laufen. Zur Zeit ist das nämlich nur mit reinen Web-Applikationen möglich. Die transparente Integration in das Betriebssystem ist aber genau das, was Apps heute so beliebt machen. Weiter ist es in einem mobilen Gerät einfach lästig, wenn man zuerst den Browser öffnen, eine URL eingeben, oder einen Bookmark auswählen muss, um eine Applikation zu starten. Abgesehen davon bildet der Browser im Hintergrund eine zusätzliche Komponente, die weitere Ressourcen benötigt und verbraucht, also eine Art Durchlauferhitzer, der speziell bei mobilen Geräten, wo Akku- und Prozessorleistung begrenzt sind, unerwünscht ist.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass bei vielen Web-Applikationen aus Platzgründen eine spezielle Version für mobile Geräte entwickelt werden muss. Mit der neueste Version ICS (Ice Cream Sandwich) von Android will Google bekanntlich die Smartphone und Tablet Welt zusammen schmelzen lassen und nur auf eine Schiene weiter fahren. Ich finde, das muss auch heissen, dass es für Entwickler von Apps die Grundbausteine vorhanden sein müssen, um die Gerätenvielfalt zu meistern. Will heissen, als Entwickler will ich meine Apps so programieren können, dass ich mich nicht speziell um solchen Details wie Bildschirmauflösungen oder -dimensionen kümmern muss, und mit einfachen Mitteln komplizierteren GUIs wahlweise kompakt darstellen kann. Ich kenne ICS noch zu wenig bis gar nicht, um eine Einschätzung abzugeben. Aber wenn Google dies wirklich gelingt, dann glaube ich schon, dass die Türen dann weit offen stehen werden, sich auch im Bereich Desktop-PC (wie der auch immer in Zukunft aussehen wird) zu etablieren.

Für die Android- und schlussendlich auch die Java-Plattform wäre dies auch ein Segen. Die Technologie würde die Möglichkeit bieten, ganze Applikationen und Dienste zu implementieren, die sofort ohne speziellen Aufwand auf allen möglichen Geräten verfügbar sein können. Vor allem für Firmen, die auf der Suche nach inovative Lösungen sind, könnte dieser Ansatz interessant werden. Sie könnten Gesamtlösungen für ihre Business anschaffen, die sozusagen aus einem Guss kommen, wo die Dienste miteinander harmonisieren und von jedem denkbaren Gerät, sei dies im Büro, auf der Baustelle, im Restaurant, im Zug, am Bahnhof, usw. verfügbar wären. Und dies alles aus einer einzigen Quelle, statt von x-beliebigen Firmen, auf verschiedene Plattformen, wo man schlussendlich fast eine eigene Entwicklungsabteilung schaffen muss, um die Schnittstellen zwischen den Systemen zu implementieren.

Die SBB hat es vorgemacht, wahrscheinlich als eines der ersten Schweizer Grossunternehmen, wie man Android im Business effektiv einsetzen kann, und hat für mich deutlich gezeigt, dass Android weit mehr ist, als ein Smartphone-Betriebssystem für den Normalverbraucher, wo er seine kleine Apps und Spiele installieren kann. Es hat gezeigt, dass es durchaus industrietauglich und für ganze Softwarelösungen im Unternehmen geeignet ist. Mit dem Einstieg in den Browser und somit die Desktop-PCs so wie oben beschrieben, sehe ich Android als eine wirklich zukunftsorientierte Technologie für robuste und konsistente Softwarelösungen. Der grösste Vorteil ist eben die Geräteunabhängigkeit. Ein Unternehmen will die Wahl haben, welche Hardware es einsetzen will und vor allem wie viel es dafür ausgeben will, um ein bestimmtes System einzuführen. Eine grosse Kopplung des Systems an bestimmten Hardware, wie es bei Apple beispielsweise üblich ist, bildet eine grosse Hürde für Unternehmen und Entwickler mit diesem Öko-System vernünftige und wirtschaftliche Softwarelösungen zu entwickeln. Es ist mir schon klar, dass die Strategie von Apple ganz klar Richtung Heimgebrauch und den gewöhnlichen Verbraucher geht. Aber ich bin gespannt, ob diese Strategie immer noch so bleibt, sobald Android wirklich breit in der Industrie präsent ist. Dann nämlich wird das Verhalten der Verbraucher auch plötzlich ändern, man wird denken: "Ich habe ja schon ein Android-Smartphone für meine Arbeit, warum sollte ich jetzt einen iPhone kaufen?"

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was die Zukunft uns bringen wird. Was meinst du dazu? Schreib einen Kommentar! ;)

2 comments:

  1. Microsoft gibt mit Windows 8 diesbezüglich auch viel Gas. Die Apps laufen auf dem Desktop, und auch auf dem Tablett.
    Wie es genau mit der Portierbarkeit von Windows Mobile Phone Apps ausschaut, weiss ich nicht genau... Obwohl Microsoft nicht mehr soo sexy war in den letzten Jahren, trau ich diesen Jungs alles zu. Bin gespannt wie es weiter geht!
    Peti

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  2. Ja, ich bin auch sehr gespannt darauf, woran Microsoft gerade brödelt. Windows 8 scheint tatsächlich einiges zu versprechen, bin gespannt. Apple scheint aber immer mehr nur faul auf ihren Cash-Cows iPhone und iPad zu hocken, das kann früher oder später voll in die Hose gehen... :)

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